Audacity 4.0: Das größte Update des Audio-Editors seit 25 Jahren
Laut Engadget handelt es sich um das größte Update des Open-Source-Audioeditors seit über fünf Jahren, MusicTech spricht sogar vom größten Sprung in 25 Jahren.

Audacity 4.0 ist seit heute verfügbar. Laut Engadget handelt es sich um das größte Update des Open-Source-Audioeditors seit über fünf Jahren, MusicTech spricht sogar vom größten Sprung in 25 Jahren. Für Podcast-Produzenten zählt vor allem eines: ASIO-Support unter Windows kommt direkt ab Werk, das Clip-Handling wurde grundlegend neu aufgebaut und es gibt ein neues Dateiformat.
Was sich am Signalfluss ändert
Die Entwickler haben die Oberfläche komplett auf Qt-Basis neu implementiert. Native High-DPI-Unterstützung ist jetzt Standard, Themes stehen in Hell, Dunkel und mit hohem Kontrast bereit. Werkzeugleisten und Bedienfelder lassen sich verschieben, andocken, ausblenden und als Workspaces abspeichern. Das heißt konkret: ein Setup für Voice-Tracking, ein anderes für die Postproduktion - beide wechseln mit einem Klick.
Beim Editing fällt vor allem die Erweiterung des non-destructive-Workflows auf. Clips dürfen sich jetzt überlappen, beim Trimmen wird der verdeckte Teil der darunterliegenden Spur sichtbar. Mehrere Clips lassen sich gleichzeitig selektieren und über einen einzigen Anfasser trimmen, gruppieren und gemeinsam verschieben. Ein neues Envelope-Tool erlaubt das Setzen verschiebbarer Kontrollpunkte direkt im Waveform - Gain-Automation visualisiert sich in Echtzeit, Clipping in einem Abschnitt ist sofort erkennbar. Pro Track liegt jetzt ein eigenes Meter, Clipping lässt sich damit pro Spur identifizieren statt nur am Master-Bus.
Was Podcast-Workflows direkt betrifft
Der wichtigste praktische Punkt für Windows-Nutzer: ASIO wird nativ unterstützt, Aufnahme und Wiedergabe laufen ohne Umweg über externe Wrapper. Die Wiedergabeposition lässt sich während des laufenden Transports verschieben, ohne dass die Wiedergabe stoppt. Neue Aufnahmen starten an beliebiger Stelle der Timeline. Beide Funktionen sparen in der Schnittsession messbar Zeit.
Sample-genaue Bearbeitung durch tieferes Zoomen ist jetzt möglich. Feinkorrekturen an Atemgeräuschen, Mundklicks oder Plateauphasen, die vorher den Umweg über die separate Sample-Ansicht erforderten, laufen jetzt direkt im Hauptfenster. Das neue Splitting-Werkzeug (Taste S) ersetzt das bisherige, teils fummelige Cut-Prozedere und liegt damit auf dem Niveau etablierter DAWs.
Was fehlt - und wer noch warten sollte
Mit dem Generationswechsel führt Audacity das Dateiformat.aup4 ein. Bestehende.aup3-Projekte werden beim Öffnen automatisch konvertiert, lassen sich danach aber nicht mehr im alten Format abspeichern. Sync-Lock wurde entfernt - die Funktion, mehrere Clips synchron zu bearbeiten, ist durch neue Keyboard-Shortcuts ersetzt. Das alte Verhalten steht damit nur noch über Tastenkombinationen zur Verfügung.
Entscheidend für den Praxiseinsatz: MIDI- und Notenspuren, der klassische Mixer, Time Tracks, der Makro-Manager sowie VAMP- und LADSPA-Plugins sind in Version 4.0 noch nicht enthalten und sollen mit kommenden Updates nachgereicht werden. Wer im täglichen Podcast-Workflow auf eines dieser Werkzeuge angewiesen ist - etwa auf den Macro-Manager für wiederkehrende Effektketten oder auf LADSPA-Plugins für Rauschunterdrückung -, fährt mit dem Versionswechsel aktuell zurückhaltend und beobachtet die Patch-Notes der nächsten Releases, bevor produktive Sessions umgestellt werden.