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Agentur, Inhouse oder Hybrid: Setups für Medienprojekte

Vierzig- bis siebzigtausend Euro brutto — pro Jahr, pro Kopf, pro Fachkraft. Rechnen Sie die Arbeitgeberanteile für Sozialabgaben hinzu, landen Sie bei tatsächlichen Gehaltskosten von ungefähr 48.000 bis 87.500 Euro jährlich.

Aktualisiert09. September 2026
Lesezeit14 Min. Lesezeit
Agentur, Inhouse oder Hybrid: Setups für Medienprojekte

Für eine einzige Position in Ihrer Content-Produktion. Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie brauchen nicht eine Person, sondern drei: Producing, Kamera, Schnitt. Der Jahresdeckungsbeitrag, den Ihre Medienprojekte erst einmal erwirtschaften müssen, bevor überhaupt ein Cent Gewinn übrig bleibt, klettert in Dimensionen, die in den meisten Pitches und Business-Cases verschämt unter „Overhead" abgeheftet werden.

Die Frage „Inhouse oder extern?" klingt nach einer strategischen Weichenstellung. In Wirklichkeit ist sie eine betriebswirtschaftliche Kernfrage, die über die Skalierbarkeit Ihres gesamten Content-Betriebs entscheidet — und die viel zu oft nach Bauchgefühl statt nach Zahlen beantwortet wird.

Denn Medienprojekte sind selten so sauber planbar, wie es ein Organigramm suggeriert. Ein Podcast braucht nicht nur Aufnahme und Schnitt, sondern Themenentwicklung, Redaktion, Gästeplanung, Distribution und Auswertung. Ein Videoformat braucht Konzept, Produktion, Postproduktion und eine verlässliche Veröffentlichung. Je regelmäßiger und anspruchsvoller der Output wird, desto deutlicher zeigt sich, dass die Entscheidung für Inhouse, Agentur oder Freelancer nicht nur eine Frage des Geschmacks ist. Sie legt fest, welche Kosten dauerhaft anfallen, welche Fähigkeiten im Unternehmen bleiben und wie schnell zusätzliche Kapazität verfügbar wird.

Die Kostenstruktur interner Content-Teams

Fangen wir mit dem an, was sich am ehrlichsten beziffern lässt: den Gehältern. Im Inhouse-Marketing und in der Content-Produktion liegen die Bruttojahresgehälter für Fachkräfte im DACH-Raum typischerweise zwischen 40.000 und 70.000 Euro. Das klingt auf den ersten Blick kontrollierbar — bis die Lohnnebenkosten und die übrigen Betriebskosten dazukommen.

Arbeitgeberanteile zu den Sozialabgaben erhöhen die tatsächlichen Gehaltskosten grob um weitere 20 bis 25 Prozent. Eine Position, die mit 4.000 Euro brutto im Monat kalkuliert ist, kostet das Unternehmen damit nicht einfach 4.000 Euro. Je nach konkreter Konstellation werden daraus rund 4.800 bis 5.000 Euro monatlich — gerechnet auf das Jahr ergibt sich aus der genannten Gehaltsspanne ein tatsächlicher Personalaufwand von etwa 48.000 bis 87.500 Euro. In dieser Spanne sind ausschließlich das Bruttogehalt und die Sozialabgaben enthalten. Recruiting, Ausstattung und laufende Infrastruktur kommen on top.

Wer ein Content-Team plant, sollte deshalb nicht mit dem Bruttogehalt kalkulieren, sondern mit den vollständigen Kosten einer besetzten Stelle. Bei drei Fachkräften für Producing, Kamera und Schnitt summiert sich der Aufwand schnell zu einer erheblichen Fixkostenposition — und zwar bereits, bevor ein Rechner, eine Lizenz oder ein Headhunter-Rechnung auf dem Tisch liegt.

Hinzu kommen Kosten, die in keiner Stellenanzeige stehen:

  • Zeit und Aufwand für Recruiting, Auswahlverfahren und Vertragsabwicklung,
  • Einarbeitung und interne Abstimmung in den ersten Monaten,
  • Kameras, Licht, Ton, Rechner und Speicherlösungen,
  • Softwarelizenzen für Schnitt, Design, Projektmanagement und Distribution,
  • Weiterbildung und die Entwicklung neuer Produktionsstandards,
  • Vertretung bei Urlaub, Krankheit oder Fluktuation,
  • Leerlauf, wenn die Auftragslage oder der interne Bedarf schwankt.

Gerade der letzte Punkt wird häufig unterschätzt. Ein internes Team wird nicht nur für produktive Schnitt- oder Drehtage bezahlt. Es braucht Zeit für Meetings, Briefings, Korrekturschleifen, Dateiorganisation, Recherche und Abstimmung mit anderen Abteilungen. Das ist nicht automatisch ineffizient — redaktionelle Qualität entsteht selten ohne diese Arbeit. Es gehört aber in die Kalkulation.

Der wahre Kostentreiber ist oft die Unterbrechungskurve, wenn eine Schlüsselperson das Team verlässt. In kleinen Abteilungen hängt an einzelnen Personen nicht selten das gesamte Produktionswissen: Wo liegen die Vorlagen? Wie werden Episoden abgenommen? Welche Tonalität gilt für LinkedIn, YouTube oder den Unternehmenspodcast? Welche Dienstleister funktionieren zuverlässig? Verlässt diese Person das Unternehmen, geht nicht nur Arbeitszeit verloren. Es müssen Prozesse rekonstruiert, Nachfolger gesucht und Zuständigkeiten neu verteilt werden.

Ein Inhouse-Team ist keine flexible Einkaufsliste für Content, sondern eine Fixkostenstruktur mit eigener Infrastruktur, eigenen Risiken und eigener Lernkurve.

Das ist der entscheidende Punkt, den interne Befürworter gerne übersehen: Ob Sie diese Woche drei Medienprojekte produzieren oder keines — die Gehälter laufen. Das kann ein Vorteil sein, wenn dauerhaft genug Arbeit vorhanden ist und die interne Nähe strategisch gebraucht wird. Es wird zum Problem, wenn das Team für Spitzenlasten dimensioniert wurde, der normale Betrieb aber deutlich weniger Kapazität erfordert.

Inhouse lohnt sich deshalb vor allem dort, wo Content nicht als gelegentliche Kampagne, sondern als kontinuierlicher Bestandteil des Geschäftsmodells verstanden wird. Wer regelmäßig produziert, schnell auf interne Themen reagieren muss und Wissen über Produkt, Marke oder Zielgruppe im Unternehmen halten will, kann mit einem internen Kernteam erhebliche Vorteile haben. Voraussetzung ist, dass die Auslastung realistisch geplant wird — und dass nicht jede neue Idee automatisch in eine weitere feste Stelle übersetzt wird.

Freelancer als spezialisierte Kraft

Ganz anders funktioniert die Freelancer-Landschaft. Hier kaufen Sie Kapazität auf Abruf ein — bezahlt nach tatsächlich geleisteter Arbeit, ohne klassische Lohnnebenkosten, ohne langfristige Bindung an eine einzelne Stelle und ohne die organisationspolitischen Reibungsverluste einer wachsenden Abteilung.

Die Stundensätze im DACH-Raum geben dabei eine grobe Orientierung: Im Grafikdesign liegen sie durchschnittlich bei etwa 82 Euro pro Stunde, im Webdesign bei circa 92 Euro. Die typische Spanne im Designbereich bewegt sich zwischen 70 und 110 Euro pro Stunde. Für einen Freelancer, der eine komplette Kampagnenvisualisierung produziert, kalkulieren Sie also — je nach Komplexität, Nutzungsumfang und Erfahrung — einen mittleren vierstelligen Betrag pro Auftrag.

Diese Zahlen sind allerdings kein Tarif. Ein niedriger Stundensatz bedeutet nicht automatisch einen günstigen Auftrag. Entscheidend ist, wie schnell die betreffende Person zu einem belastbaren Ergebnis kommt, wie viele Korrekturschleifen nötig sind und ob sie die Anforderungen des Projekts tatsächlich versteht. Ein erfahrener Editor kann ein komplexes Video in weniger Stunden sauber fertigstellen als jemand, dessen Satz niedriger ist, der aber ständig nachgesteuert werden muss.

Die betriebswirtschaftliche Logik dahinter ist trotzdem bestechend: Sie bezahlen nur, was Sie tatsächlich benötigen. Kein stilles Mittragen von Gehältern in Auftragsflauten. Kein dauerhafter Overhead für Aufgaben, die gerade nicht anstehen. Die Skalierbarkeit ist hoch — Sie können für ein größeres Medienprojekt mehrere Spezialisten zusammenziehen und die Zusammenarbeit nach Abschluss wieder reduzieren.

Für einzelne Aufgaben ist das oft die beste Lösung. Ein Podcast braucht ein neues Intro, eine Veranstaltung soll filmisch dokumentiert werden, eine Serie benötigt Untertitel oder ein bestehendes Format soll visuell überarbeitet werden. Für solche klar umrissenen Leistungen ist ein Freelancer häufig schneller und wirtschaftlicher als ein internes Team, das die entsprechende Kompetenz erst aufbauen müsste.

Aber — und das ist das große Aber — Flexibilität hat ihren Preis in einer anderen Währung: Kontrolle und Kontinuität. Ein Freelancer ist kein Mitarbeiter. Er priorisiert seine eigene Pipeline, nicht Ihre. Die Verfügbarkeit ist nicht garantiert, kurzfristige Änderungen können schwierig werden und strategisches Wissen bleibt häufig bei der Person, die den Auftrag bearbeitet.

Wer zehn verschiedene Freelancer für zehn verschiedene Medienprojekte einsetzt, bekommt im Zweifel zehn verschiedene Qualitäts- und Kommunikationsstandards. Das kann sogar dann passieren, wenn alle Beteiligten fachlich gut sind. Unterschiedliche Arbeitsweisen, Dateiformate, Feedbackprozesse und Vorstellungen von „fertig" erzeugen Koordinationsaufwand. Irgendwann verbringt das interne Team mehr Zeit mit Briefings, Abnahmen und Nachbesserungen als mit der eigentlichen strategischen Arbeit.

Für eine funktionierende Zusammenarbeit braucht es deshalb mindestens eine interne Stelle oder Person, die Anforderungen bündelt. Das muss nicht zwingend eine eigene Content-Managerin oder ein eigener Producer sein. Es kann auch jemand aus dem Marketing sein, sofern diese Person Zeit, Entscheidungskompetenz und ein klares Verständnis für die Produktionsprozesse hat. Ein Freelancer-Pool ohne Verantwortlichkeit auf Auftraggeberseite ist keine flexible Struktur, sondern ein Sammelsurium von Einzelaufträgen.

Warum 52 Prozent auf Agenturen setzen

Laut aktuellen Marktdaten binden bereits 52 Prozent der Unternehmen externe Agenturen aktiv für ihre Social-Media-Aktivitäten ein. Das ist keine Modeerscheinung, sondern eine betriebswirtschaftliche Reaktion auf ein reales Problem: Die Komplexität moderner Content-Produktion übersteigt häufig das, was ein einzelner Freelancer oder ein kleines Inhouse-Team dauerhaft abdecken kann.

Eine Agentur verbindet unterschiedliche Rollen in einem Produktionssystem. Strategie, Konzeption, Redaktion, Design, Video, Audio, Distribution und Analyse müssen nicht zwingend von einer Person erledigt werden. Je nach Projekt werden die passenden Kompetenzen zusammengestellt, ohne dass der Auftraggeber jede Funktion selbst einstellen und auslasten muss.

Eine Agentur ist kein Dienstleister, den man für schöne Bilder bezahlt — sie ist eine externalisierte Abteilung, die strategische Tiefe, operative Breite und Marktperspektive in einem Paket liefern kann.

Eine Kreativagentur bringt etwas mit, das kein isoliertes Inhouse-Setup und kein lose organisierter Freelancer-Pool automatisch leisten kann: den Überblick über Trends, Formate und Produktionslogiken aus unterschiedlichen Projekten. Wenn ein Team im Unternehmen fast ausschließlich die eigene Marke sieht, arbeitet eine Agentur typischerweise mit mehreren Branchen, Zielgruppen und Kommunikationsanlässen. Daraus kann eine Perspektive entstehen, die über die taktische Einzelaufgabe hinausgeht.

Das heißt nicht, dass Agenturen grundsätzlich bessere Ideen haben. Es heißt auch nicht, dass externe Teams die Marke automatisch besser verstehen. Die Qualität hängt davon ab, wie tief die Agentur in das Geschäftsmodell, die Zielgruppen und die internen Entscheidungswege eintaucht. Eine Agentur, die nur Briefings abarbeitet, bleibt eine Auftragsproduktion. Eine Agentur, die Fragen stellt, Prioritäten sichtbar macht und Formate über mehrere Ausspielwege denkt, kann dagegen strategischen Wert schaffen.

Das Geschäftsmodell ist für den Auftraggeber vergleichsweise transparent: Sie zahlen eine monatliche Retainer-Gebühr oder projektbezogene Pauschalen und erhalten im Gegenzug ein cross-funktionales Team — Strategie, Konzeption, Produktion und Distribution — ohne selbst eine vollständige Abteilung aufbauen und managen zu müssen.

Die Rechnung geht allerdings nur dann auf, wenn die Agentur tatsächlich als strategischer Partner arbeitet und nicht als teure Auftragsproduktion mit Präsentationsbonus. Die Unterscheidung liegt nicht im Preis, sondern in der Frage: Bekommen Sie Kapazität oder bekommen Sie Kompetenz?

Kapazität bedeutet, dass zusätzliche Hände und Köpfe verfügbar sind. Kompetenz bedeutet, dass die Zusammenarbeit bessere Entscheidungen ermöglicht: Welches Format passt zur Marke? Welche Produktionsqualität ist für den Kanal sinnvoll? Was muss regelmäßig erscheinen und was ist nur eine einmalige Maßnahme? Wie wird aus einem Dreh nicht ein einzelnes Video, sondern eine verwertbare Serie von Inhalten?

Wer eine Agentur beauftragt, sollte deshalb nicht nur einzelne Deliverables einkaufen. Entscheidend ist, ob ein gemeinsames Betriebssystem für die Content-Produktion entsteht. Dazu gehören feste Ansprechpartner, klare Freigaben, definierte Verantwortlichkeiten, ein realistischer Redaktionsplan und ein Umgang mit Änderungen, der nicht jedes Mal eine neue Grundsatzdiskussion auslöst.

Hybride Modelle als wirtschaftlicher Kompromiss

In der Praxis entscheiden sich viele mittelständische Unternehmen weder für das reine Inhouse-Modell noch für das vollständige Agentur-Setup, sondern für eine Mischform. Das ist weniger ein fauler Kompromiss als eine Reaktion auf die tatsächliche Arbeitsverteilung: Strategisches Wissen soll im Unternehmen bleiben, während spezialisierte oder schwankende Produktionsleistungen flexibel eingekauft werden.

Hier lohnt ein genauer Blick auf die Zahlen und auf die Rollenverteilung. Ein hybrides Modell funktioniert nicht dadurch, dass man einfach interne und externe Beteiligte in ein Projekt setzt. Es braucht eine klare Antwort auf drei Fragen: Wer entscheidet? Wer produziert? Und wer trägt die Verantwortung, wenn Zeitplan oder Qualität nicht stimmen?

Setup 1: Agentur-Strategie plus Freelancer-Pool

Dieses Modell funktioniert für Unternehmen, die strategische Steuerung brauchen, die operative Produktion aber flexibel halten wollen. Eine Agentur übernimmt Strategie und Koordination — typischerweise für 2.500 bis 4.500 Euro pro Monat. Dazu kommt ein Pool aus Freelancern für die eigentliche Content-Produktion mit einem Budget von 1.500 bis 3.500 Euro monatlich. Die Gesamtkosten liegen damit bei etwa 4.000 bis 8.000 Euro pro Monat.

Der Vorteil: Die strategische Klammer liegt bei einer Stelle, während für einzelne Formate die passenden Spezialisten gebucht werden können. Für ein Unternehmen, das Social-Media- und Webcontent regelmäßig ausspielen möchte, aber noch kein großes internes Team auslasten kann, ist das ein handhabbarer Rahmen.

Die Schwachstelle liegt in der Schnittstelle. Wenn die Agentur Strategie und Koordination übernimmt, die Freelancer aber direkt mit verschiedenen Personen im Unternehmen kommunizieren, entstehen schnell widersprüchliche Prioritäten. Der Pool braucht deshalb ein gemeinsames Briefing, einen verbindlichen Ablauf und eine Person, die Freigaben bündelt.

Setup 2: Inhouse-Koordinator plus externe Lead-Agentur

Dieses Modell passt zu einem Mittelständler, der strategische Kontrolle behalten, die operative Last aber externalisieren will. Ein interner Koordinator — Jahresgehalt circa 65.000 bis 80.000 Euro — steuert die Zusammenarbeit mit einer externen Lead-Agentur, die für etwa 4.500 bis 7.000 Euro pro Monat die Produktion übernimmt. Je nach Arbeitgeberkosten und konkreter Ausstattung können sich die Gesamtkosten auf ungefähr 12.000 bis 14.500 Euro monatlich belaufen.

Der interne Koordinator ist dabei nicht bloß eine Weiterleitungsstelle für E-Mails. Er kennt die internen Ziele, priorisiert Themen, beschafft Informationen und sorgt dafür, dass die Agentur nicht bei jeder Kleinigkeit mehrere Abteilungen einzeln ansprechen muss. Gleichzeitig bleibt die Produktion bei einem externen Team, das bei Bedarf weitere Spezialisten hinzuziehen kann.

Dieses Modell wird unpraktisch, wenn die interne Position keine Entscheidungskompetenz besitzt. Dann wird der Koordinator zum Flaschenhals: Er sammelt Feedback ein, darf aber nichts entscheiden, und die Agentur wartet auf Freigaben aus fünf Richtungen. Hybride Zusammenarbeit braucht daher nicht nur Budget, sondern ein Mandat.

Setup 3: Großes Inhouse-Team plus Agentur plus Spezial-Freelancer

Die Königsdisziplin ist ein großes Inhouse-Team mit einer Lead-Agentur und zusätzlichen Spezial-Freelancern für Nischenformate. Für Unternehmen mit kontinuierlichem Produktionsbedarf, mehreren Marken oder einem internationalen Ausspielradius kann das sinnvoll sein — vorausgesetzt, das interne Team trägt die Gesamtverantwortung und die Agentur füllt gezielt Lücken, die intern nicht abgedeckt werden.

Die übliche Aufteilung: Strategie, Markenführung und Kernformate liegen intern. Aufwendige Produktionen, internationale Adaptionen, Bewegtbild in höherer Kadenz oder Performance-getriebene Testproduktionen laufen über die Agentur. Spezial-Freelancer kommen für klar umrissene Aufgaben ins Spiel — etwa Motion Design, Sound Design oder Sprachaufnahmen in weiteren Märkten.

Der Reiz dieses Modells liegt in der maximalen Kontrolle bei gleichzeitiger Flexibilität. Das Risiko liegt in den Schnittstellen: Wenn drei Parteien parallel an einem Format arbeiten, kostet die Abstimmung mehr Zeit, als viele Unternehmen einkalkulieren. Wer dieses Setup wählt, braucht eine Projektleitung mit echtem Durchgriff — nicht nur eine Person, die den Kalender pflegt.

Skalierung von Medienprojekten: Vom Inhouse-Koordinator zur Lead-Agentur

Die wenigsten Unternehmen bleiben dauerhaft bei einem Modell. Wer mit Content ernsthaft anfängt, startet häufig klein: ein einzelner Producer im Marketing, ein Podcast, der nebenbei entsteht, eine Kamera, die irgendwo im Büro steht. Mit wachsender Erfahrung wandelt sich die Frage von „machen wir überhaupt Content?" zu „wer trägt das professionell?". Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob das Setup skaliert oder ob die Strukturen unter dem eigenen Erfolg zusammenbrechen.

Eine funktionierende Skalierung folgt meist einem erkennbaren Muster. Am Anfang steht eine interne Koordination: Eine Person bündelt Anforderungen, bucht Freelancer, spricht mit externen Cuts und behält den Überblick. Solange der Output überschaubar bleibt, ist das die wirtschaftlichste Form, weil kein vollständiger Apparat bezahlt werden muss. Sobald jedoch regelmäßige Formate, mehrere Kanäle oder ambitionierte Qualitätsansprüche dazukommen, stößt diese Person an ihre Kapazitätsgrenze — nicht an ihre Kompetenz, sondern schlicht an die Stunden.

Der nächste logische Schritt ist eine Lead-Agentur, die die operative Produktion übernimmt, während die interne Person strategisch steuert und die Schnittstelle zur Geschäftsleitung hält. Das Modell skaliert, weil zusätzliche Kapazität nicht durch neue Festanstellungen entsteht, sondern durch erweiterte Retainer-Modelle oder projektbezogene Erweiterungen. Eine Agentur kann eine zweite Produktionslinie hochfahren, ohne dass das Unternehmen Recruiting-Prozesse starten muss.

Der eigentliche Skalierungshebel liegt allerdings nicht in der Wahl des Modells, sondern in der Frage, welche Funktion intern verankert bleibt. In erfolgreichen Setups übernimmt eine interne Rolle drei Aufgaben, die kein externer Partner übernehmen kann: Sie priorisiert Themen nach Geschäftsrelevanz statt nach Produktionsaufwand. Sie schützt die Marke vor beliebigem Output. Und sie entscheidet, wann ein Format skaliert, angepasst oder eingestellt wird.

SkalierungsphaseInterner BedarfSinnvolles externes Setup
Erste Formate, geringe KadenzEine koordinierende Person, Grundverständnis für ProduktionFreelancer-Pool, fallweise
Regelmäßiger Output, mehrere KanäleProducer oder Content-Lead mit EntscheidungsmandatLead-Agentur plus Spezial-Freelancer
Skalierung über Marken oder MärkteEigenes Team mit klarer RollenverteilungLead-Agentur plus zusätzliche Produktionspartner
Internationale Verwertung oder hoher BewegtbildanteilStrategie und Markenführung intern, Produktion überwiegend externFull-Service-Agentur mit internationaler Reichweite

Die Tabelle zeigt, dass die Bewegung zwischen Inhouse, Agentur und Freelancer in den meisten Unternehmen kein einmaliger Switch ist, sondern eine schrittweise Verlagerung von Verantwortung. Wer diese Schritte versteht, plant die nächste Wachstumsstufe bewusst — und vermeidet das klassische Szenario, in dem ein internes Team an der eigenen Erfolgswelle zerbricht, weil Strukturen fehlen, die rechtzeitig hätten wachsen müssen.

Am Ende bleibt eine nüchterne Einsicht: Die Frage „Inhouse oder Agentur?" ist selten eine Grundsatzentscheidung. Sie ist ein betriebswirtschaftliches Puzzle, das mit jedem neuen Format, jedem zusätzlichen Kanal und jedem neuen Markt neu zusammengesetzt werden will. Wer die eigenen Kosten, die Verfügbarkeit von Kompetenz und die strategische Bedeutung der Markenkommunikation sauber gegeneinander aufrechnet, kommt nicht zu einer Lieblingslösung, sondern zu einem Setup, das zur jeweiligen Wachstumsphase passt — und das ist genau die Art von Entscheidung, die in Pitches und Business-Cases viel zu selten auftaucht.

Häufige Fragen

Welche tatsächlichen Kosten entstehen für eine interne Content-Stelle?
Zu den Bruttojahresgehältern von Fachkräften im DACH-Raum kommen Arbeitgeberanteile für Sozialabgaben von grob 20 bis 25 Prozent hinzu. Aus der genannten Gehaltsspanne von 40.000 bis 70.000 Euro ergeben sich tatsächliche Personalkosten von etwa 48.000 bis 87.500 Euro pro Jahr, ohne Recruiting, Ausstattung und laufende Infrastruktur.
Wann lohnt sich ein Inhouse-Content-Team?
Ein internes Team lohnt sich vor allem, wenn Content kontinuierlich produziert wird, schnelle Reaktionen auf interne Themen nötig sind und Wissen über Produkt, Marke oder Zielgruppe im Unternehmen bleiben soll. Voraussetzung ist eine realistische Auslastungsplanung.
Wann sind Freelancer für Medienprojekte sinnvoll?
Freelancer eignen sich häufig für klar umrissene Aufgaben wie ein Podcast-Intro, die Dokumentation einer Veranstaltung, Untertitel oder die visuelle Überarbeitung eines Formats. Unternehmen zahlen dabei nur für die tatsächlich benötigte Leistung, müssen aber Verfügbarkeit, Kontinuität und Koordination berücksichtigen.
Was kostet das hybride Modell aus Agentur-Strategie und Freelancer-Pool?
Für die Agentur-Strategie und Koordination werden typischerweise 2.500 bis 4.500 Euro pro Monat kalkuliert, für den Freelancer-Pool weitere 1.500 bis 3.500 Euro. Die Gesamtkosten liegen damit bei etwa 4.000 bis 8.000 Euro monatlich.
Welche Aufgaben übernimmt ein interner Koordinator mit externer Lead-Agentur?
Der interne Koordinator kennt die Unternehmensziele, priorisiert Themen, beschafft Informationen und bündelt die Zusammenarbeit mit der Agentur. Die externe Lead-Agentur übernimmt für etwa 4.500 bis 7.000 Euro pro Monat die Produktion und kann bei Bedarf weitere Spezialisten hinzuziehen.